Zu Gast bei Jamie O. (Cleopatrahuhn)

Es war zum Jahreswechsel, da war ich mal wieder bei Jamie O. zum Essen geladen. Zumindest seine Internetseite inspirierte einen guten Freund zum Nachkochen und wir fanden es tatsächlich sehr lecker. Wieder an der Küste eingetrudelt möchte ich es auch meinen lieben Lesern zur Verfügung stellen und habe dieses Gericht am Wochenende einmal nachgekocht. Das Jamie-Original könnt ihr HIER nachlesen. Für alle, die des Englischen weniger mächtig sind, ist mein kleiner Blog da, auf den Ihr Euch nun leider verlassen müsst 😉 .

Das Rezept ist eigentlich denkbar simpel und für alle Kategorien Kochhelden realisierbar. Ein hübsches, männliches Hähnchen wird mit Milch, Salbei, Zimt, Knoblauch und Zitrone vermählt.  

 Das Ganze sieht am Ende tatsächlich typisch J.O.-mäßig aus. Also alte verkrustete Auflaufform und ein Tier, wie bereits zerlegt in einer auf den ersten Blick merkwürdig anmutenden Soße. Aber es ist wirklich sehr lecker und wir können das Nachkochen nur empfehlen. 

Als Beilage gab es (fast wie von JO empfohlen) frischen Spinat und gebackene Kartoffeln.

Aber erst einmal zum Geflügeltierchen. Gewählt wurde ein halbglückliches Masthuhn von 1,5 kg. Ordentlich waschen und anschließend von außen und innen Salzen ist der Standard. Das Tier muss nicht dressiert werden. Legt es so breitbeinig wie es ist in eine heiße Pfanne mit Oliven-Öl und Butter. Bräunt es schön von allen Seiten und legt es abgetropft anschließend in einen Bräter oder höhere Auflaufform. Gebt die Zimtstange (JO spricht von einer halben Stange, ich habe eine ganze genommen und das Zimtaroma war immer noch nur zu erahnen), zehn Knoblauchzehen, ordentliche, frische Salbeiblätter (Jamie sagt, eine gute Hand voll) und zwei filetierte Zitronen/Limetten mit grobem, schwarzem Pfeffer hinzu.  Übergießt das Ganze mit 500-600 ml Milch und schiebt es in den auf 190 Grad vorgeheizten Ofen.  

 Ich selbst habe das Hähnchen während der anderthalbstündigen Garzeit zweimal in seinem Cleopatrabad gewendet. Aufpassen muss man gegen Ende, weil das Fleisch schon von den Knochen fällt. Die Zitrone spaltet die Milch auf, was laut Rezeptersteller durchaus so gewollt ist. Die Soße mag nicht gut aussehen für Leute, die eher auf glatte klassische Reduzierungen stehen. Die drei Aromen Salbei, Zimt und Knoblauch harmonieren aber ganz hervorragend. 

Die Beilage ist ebenso einfach gewählt und wurde das erste Mal von mir auf Zypern probiert: Kleine Kartoffeln entweder so lassen oder halbieren, längere, größere Exemplare der Länge nach halbieren und auf der offenen Seite einschneiden. Schalotten halbieren und dazulegen. Die Auflaufform am Boden mit Wasser bedecken, die Kartoffeln und Schalotten gepfeffert und gesalzen darauf legen. 

 Dieses wurzelige Sammelsurium kommt nach 30 min. mit in den Ofen und backt dort ebenfalls vor sich hin. Gelegentlich sollte man das Gargut wenden.

Nach eineinhalb Stunden sollte beides fertig sein. Wer die Kartoffeln krosser mag, gibt ihnen etwas mehr Zeit und benutzt zum Schluss die Grillstufe.

Den Spinat habe ich nach seiner Wäsche lediglich mit Öl beträufelt und den Saft einer großen, halben Orange hinzugefügt. Pfeffer & Salz versteht sich … und fertig. 

 Einfach, schnell im Sinne von ich muss nicht daneben stehen und überaus lecker.

Zutatenliste:

  • Huhn 1,5 kg
  • Butter zum Anbraten
  • 10 Knoblaubzehen 
  • eine Hand voll Salbeiblätter 
  • eine Zimtstange 
  • 500-600 ml Milch
  • 2 Zitronen/ Limetten
  • Pfeffer & Salz

Bon appétit!

HelloFreshes Essen!

Ich erinnere mich noch gern an meinen Beitrag zur Firma „Topfhelden“, welche einkaufsunwillige Mitbürger oder sehr ländliche Planetenbewohner wöchentlich mit passgenauen Zutaten, nebst Rezepten versorgte. Leider schien das Konzept der Erfurter Firma nicht ganz aufzugehen. Sie haben inzwischen den regulären Geschäftsbetrieb eingestellt, was ganz sicher nicht an meinen Kritikpunkten gelegen hat, denn so viele Leser habe ich nun doch wieder nicht auf meinem kleinen, bescheidenen Blog 😉 .

Nichtsdestotrotz schiessen ganz ähnlich konfektionierte Firmen wie Pilze aus dem Boden, so auch die um einiges größer angelegten Päckchenpacker von HelloFresh!

Diese international angelegte Aktiengesellschaft operiert nicht nur in Deutschland mit Sitz in Berlin, sondern auch in den Niederlanden, USA und selbst Australien. So kann man die Benutzerführung der Website, wie auch das Komplettpaket der medialen Aufmachung als äußerst professionell bezeichnen. Ziel der Unternehmung ist es, auch in diesem Fall dem Kunden den Einkauf abzunehmen und Rezepte mit sauberen Anleitungen zu liefern, welche allesamt in unter 30 Minuten realisierbar sein sollen. Ganz ähnlich den Mitbewerbern und den dahingeschiedenen Topfhelden, bietet HelloFresh verschiedene Kochboxen an, welche sich in Inhalt und Mengenangaben unterscheiden.

So gibt es die Classic-Box mit wechselnden vegetarischen, wie auch nichtvegetarischen Lebensmitteln, in der einfachsten Version drei Mahlzeiten für zwei Personen zu gut 40€. Über die Steigerung bis hin zu fünf Mahlzeiten für vier Personen kann der geneigte Kunde dann auch gern 90€ pro Woche für das leibliche Wohl seiner Familie oder Wohngemeinschaft investieren.

Die ebenfalls angebotene „Veggie-Box“ gibt es zu gleichen Konditionen, enthält aber kein Fleisch oder Fisch. Rein vegan ist sie nicht, Milch und Käse sind in den Rezepten zu verarbeiten. Zu guter Letzt bietet der Großlieferant noch eine Obstkiste zu 15€ an, welche ich aber in Qualität und Umfang nicht getestet habe. Fleisch ist mein Gemüse.

Der Bericht ist sicher nicht ganz gerecht, denn ich bin leidenschaftlicher Hobbykoch und in der Küche über die Jahre auch einigermaßen flink zu Gange (auch wenn der Name anderes verrät). Im Laufe der Zeit hat sich auch einiges an Lebensmittelkunde und Kochtechnik angesammelt, so dass ich einfache Rezepte nur überfliegen brauche, um den Kern zu entdecken. Bei HelloFresh habe ich mich daher einmal etwas uninteressierter, aber durchaus ambitioniert gestellt (völlig kochunwillige bestellen auch keine Kochboxen, sondern freuen sich über das nächste Lidl-TK-Ofengericht)  und mich in die vermeintliche Zielgruppe eingereiht. Doch kommen wir erst einmal zu den werbeträchtigen Punkten, warum man laut HelloFresh ihr Unternehmen für seine Küchenausflüge wählen sollte:

  • kein selbstständiges Einkaufen, damit kein Nachdenken über eine Einkaufsliste oder gar der Rezeptplanung
  • kleine Portionierungen, dadurch keine überflüssigen Nahrungsmittel, welche dann schlecht werden
  • ständig frische Produkte, möglichst kein TK
  • Zeitersparnis
  • Ideenlieferant
  • ausgewogene Ernährung

Auf zur Realität. An einem Freitag Mittag kommt, nicht ganz pünktlich, der UPS-Mann und bringt mir eine echt große Kiste vorbei.

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HelloFresh-Lieferung

Auf den ersten Blick alles ordentlich sortiert und sauber verpackt. Alle Zutaten sind vorhanden. Lediglich Créme fraiche wurde gegen Schmand ausgetauscht. Ein Entschuldigungszettel versprach, dass Schwand eh besser für die Linie sei. Ich habe noch etwas fette, freche Creme im Kühlschrank, so beschäftigt mich das nicht weiter. Die meisten Zutaten machen tatsächlich einen ordentlichen Eindruck. Leider gab es beim Gemüse einige qualitative Einbußen und die Kartoffeln haben die Reise oder den HelloFresh-Lagerraum nicht so gut verkraftet:

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… die möchte niemand mehr essen.

Diese Knollen habe ich mir dann doch nicht angetan und bin noch einmal zum Gemüsehändler gelaufen.

Die beiliegenden Rezepte-Karten in A5 sind sehr professionell gestaltet und bieten neben der Schritt-für-Schritt-Anleitung auch Tipps und Informationen zu verschiedenen Lebensmitteln.

Alles was gekühlt bleiben muss wird in einer Dämmwolle im Plastiksack geliefert. Insgesamt hatte ich nach dem Auspacken eine ordentliche Portion Müll, wobei das meiste gut recyclebares Papier war. HelloFresh bietet an, den angefallenen Müll (vor allem die Dämmwolle) nach fünf Lieferungen in eine der großen Pappkisten zu verstauen und kostenfrei an das Unternehmen zurückzusenden. Die anderen vier Kisten gehen nach einmaliger Verwendung in die blaue Tonne oder der Empfänger findet eine anderweitige Verwendung. Umweltschutz geht anders. Der Kompromiss ist aber irgendwo zwischen Kosten und Nutzen angesiedelt und der gute Wille vorhanden. Ein bewusster Einkäufer wird in Eigeninitiative aber deutlich weniger Müll produzieren für drei Essen á zwei Personen.

Als Testessen habe ich Schweinelachsstreifen in cremiger Lauch-Paprika-Soße mit Basmatireis ausgewählt.

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Wie auch die beiden anderen Gerichte läßt sich dieses in 30 Minuten daherzaubern. Im Gegensatz zu den Topfhelden-Rezepten habe ich hier diese Zeit auch tatsächlich benötigt. Alle drei Rezepte waren übrigens durchaus in sich schlüssig. Das Gemüse lag einzeln und in entsprechender Menge bei, das Fleisch war eingeschweißt, der Reis portioniert und die Gewürze gab es in kleinen Extratütchen. HelloFresh erwartet vom Kunden noch Salz, Pfeffer, Rinderbrühe, Olivenöl, Butter und Weißwein im Hause zu haben.

Das Rezept selbst ist, wie auch die anderen, nicht erwähnenswert. Es handelt sich um ein schnelles Schweinegeschnetzeltes mit asiatisch angehauchtem Gemüse in (durch die freche Creme) sahniger Soße. Reis wird gekocht wie üblich.

Schweinelachs hätte ich selbst dafür jetzt nicht genommen. Es wird mir zu trocken, sobald man die Streifen der Soße wieder hinzufügt. Aber ansonsten entsprach das Essen ganz und gar meinen Erwartungen:

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Fazit

Wie auch schon die Topfhelden, so können mich auch die Lieferanten von HelloFresh nicht überzeugen. Der Müll ist mir zu viel, die Rezepte zu uninteressant und eine wirkliche Zeitersparnis konnte ich nach allen Tätigkeiten (inkl. dem Auspacken und Entsorgen der Kisten) kaum feststellen. Hätte ich öfter einen Qualitäts-Fauxpas wie mit den Kartoffeln, wäre HelloFresh für mich sogar recht ärgerlich geworden. Doch kann ich dem Unternehmen dies mangels Langzeittest nicht unterstellen. Mit ein wenig küchentechnischer Kenntnis, einem mittleren Rezept-Repertoire und dem Willen gezielt und bewusst einzukaufen, lässt sich deutlich Geld sparen, Müll vermeiden und man bekommt auf den Teller, wonach einem gerade ist.

Trotzdem denke ich, dass HelloFresh seine Kunden finden wird. Die Präsentation ist gut und schlüssig; das Konzept griffig. Den Preis finde ich zu hoch. Ob ein Unternehmen wie HelloFresh auch in Zeiten nach dem großen westlichen Koch-Hype überlebt, wird sich zeigen. Wer ohnehin gerne kocht, kauft auch gern ein und wählt Rezepte selbst … und braucht eigentlich keine Kochboxen.

Trotzdem Bon Appetite!

Fettucine á la Pommernwald

Man, da ist mir glatt mal was gelungen. Ich bin so satt … so voll, so genudelt (im wahrsten Sinne des Wortes), dass ich kaum bloggen kann.

Doch beginnen wir mit dem Morgen 🌞. Sonnig klar, blauer Himmel. Gestern neblig und feucht. Na, wonach riecht das? Jawohl 🍄🍄🍄🍄🍄🍄…

Also Sohnemann geschnappt und ab in den nächsten Wald. Nun bin ich in der Pilzkunde nicht gänzlich unbeleckt, dank Mutter & Vater im heimischen Thüringer Wald, doch die Gegend hier ist mir völlig unbekannt und so gilt es erst einmal alte Heimatkunde-Lektionen (heute Sachkunde) herauszuholen und zu überlegen, wo meine Röhrlinge sich wohl versteckt halten.

Nach einer halben Stunde pommerschen Umherirrens trafen wir dann doch alte Bekannte (Pilzarten) und das Körbchen war schnell gefüllt. Nebenbei dem Viertklässler Heimatkunde á la Papa beigebracht. 

  

Im Wesentlichen Maronen, Steinpilze und der ein oder andere Rotfußröhling.

Das Ganze mit Fettucine zu vermählen lag schlicht daran, dass die heutige #HelloFresh-Lieferung in diese Richtung ging und mir deren Variante irgendwie missfiel. Zu diesem Lieferservice und dessen Folgen aber mehr im nächsten Blog, demnächst an dieser Stelle.

Wir brauchen übrigens für mein Vorhaben:

  • 250 gr Fettucine
  • eine pommersche Knackwurst (kann auch woanders herkommen. Ist nur wegen des Names)
  • einen Broccoli 
  • Knoblauch & 2 Schalotten
  • Parmesan (kleines Stückchen)
  • eine Zitrone/Limette 
  • eine handvoll Walnusskerne
  • rosa Pfefferkörner
  • Korianderblätter, getrocknet
  • Olivenöl, Pfeffer, Salz
  • und natürlich oben besichtigtes Körbchen mit heimischen Pilzen

Ist etwas vergessen, kommt es noch während des Blogs hinzu.

Die Pilze

Ja, was soll ich sagen. Der große Pilzkenner bin ich jetzt auch nicht. Daher hier die wichtigsten Informationen aus meiner Kindheit:

1. Lass‘ stehen was du nicht kennst!

2. Nimm nur die mit Schwamm und brauner Kappe! (Heißt eigentlich Röhren und die Kappe ist auch mal heller oder dunkler.)

3. Riech’/schmeck‘ mal dran, ob er bitter ist.

4. Mach‘ den Schwamm weg. Der wird blau und schleimig.

5. Schneide und reiße nicht raus (was ich jetzt nicht genau bestätigen kann, weil meines Wissens nach der Pilz eh im Boden bleibt und nur der Fruchtkörper „geerntet“ wird.

6. Spüle die Pilze nicht mit Wasser, sondern reibe sie höchstens mit Küchenkrepp ab.

Am Ende sieht das geputzte Ergebnis so aus:

  

Arg kleine Kandidaten lasse ich ganz, minimal größere werden halbiert. Alle normalgroßen: Schwamm ab, Stiel ab, falls verwurmt und in Scheiben.

Zutatenliste im Bild (Attentione: pommersche Knackwurst fehlt. Die ist mir erst im Laufe des Kochvorgangs in den Sinn gerutscht.)

  

Der Rest ist so spannend nicht: Kocht die Broccoli-Röschen bißfest und stellt sie weg. Gart ebenso die Fettucine nach Anleitung/Art/Hersteller. Ich musste mangels Kochplatten (hab nur 2) alles einzeln machen, damit meine Sehr-Groß-Pfanne noch auf das Kochfeld passt. 

In dieser habe ich kleingehackte Charlotten (😊) und zwei Knoblaubzehen gemeinsam mit etwas Olivenöl vom /angeberei |Privathersteller aus Kalabrien| angeberei Ende / und einer Pommerschen Knackwurst gedünstet. Es ist seeeeeehr wichtig, dass diese Knackwurst von einem kleinen privaten Bio-Landwirt aus Pommern kommt! Also östlich der Recknitz! Ich selbst habe eine aus dem Lidl genommen. 

Pilze dazugeben und ordentlich durchbraten. Nach einiger Zeit pfeffern und dezent salzen, denn die Mettwurst gibt reichlich Salz ab. Etwas Koriander-Blätter darüber streuen, was als Grundwürze genügen soll.

Den gegarten Broccoli hinzugeben. Walnüsse kleinschneiden und ein kleines Stück Parmesan reiben. In die Pfanne damit. Mit dem Saft einer Zitrone/Limette ablöschen. 

  
Abgeschreckte Fettucine in der Pilzpfanne unterheben und gegebenenfalls wieder aufwärmen.

Mit Parmesan und rosa Pfeffer garnieren und schnell auf den Tisch bringen.

Ich selbst habe Dresner Berle genommen. Ein wirklich einmaliger und nur zu empfehlender Hartkäse in verschiedenstendsten Geschmacksrichtungen aus der sächsischen Landeshauptstadt. Nicht ganz billig, dafür ein echtes Highlight.

  

Damit nun ausreichend Grüße und einen schönen Abend aus der Ecke, aus der die Pilze stammen:

  Bon apetite!

Schnelles Abendbrot / Gastbeitrag

Heute darf ich mal bitten und präsentiere meinen ersten Gastbeitrag. Es berichtet kurz & knapp meine oft zitierte Quelle für Orientalisches und Exotisches. Danke A.:

Zutaten:

Rote Linsen & gelbe Schälerbsen halb/halb
Zwiebel
Oregano
Kreuzkümmel (Kumin), gemahlen
Kurkuma
Safran
Chilipulver (Cayenne)

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Zwiebel klein hacken und ganz langsam in reichlich Olivenöl dünsten. Oregano zupfen. Safranfäden mit einem Schluck heißen Wasser übergießen. Wenn die Zwiebel weich und schrumpelig ist, Gewürze hinzugeben (Kurkuma nur sehr wenig, Chili nach Geschmack) und einen Moment mit andünsten. Linsen&Erbsen hinzugeben, ebenso unter Rühren kurz mit andünsten. Mit Kochendem Wasser aufgießen (ca. 1 Fingerbreit mehr als die Linsen). Deckel leicht angeschrägt darüber und auf niedriger Flamme 20-30 Minuten leise vor sich hinsimmern lassen. Gelegentlich umrühren und nicht ganz trocken laufen lassen. Die Linsen sind bereits nach 10 Minuten zu Brei zerfallen, die Erbsen sollen am Ende noch einen weichen Biss haben. Die Konsistenz sollte nicht zu flüssig sein. Kurz vor Ende gut Salzen und mit einem Schuss Zitrone abschmecken. Mit Kapern(knospen) garnieren.

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Kann man auch anders würzen und als Sättigungsbeilage zu Poularde oder Ähnlichem reichen.

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Bon apetit!

… und vielen Dank.

Ist sehr zu empfehlen, ich habe es bereits nachgekocht. Oft liegt in der Einfachheit das Erfolgsrezept. Ich werde mich wohl noch von SlowerEat in EasyEat umbenennen müssen :-p

Experimentelles auf kleiner Flamme

Jetzt war es endlich mal wieder so weit: es hat sich gelohnt zu kochen. Ehrlich gesagt hat es sich schon vor längerer Zeit gelohnt zu kochen. Die Fotos waren auch fertig, aber am Schreiben haperte es dann doch noch.

So wünschte sich mein kleiner Gast (wie immer eigentlich) Keulen. Ich habe keine Ahnung woher dieses Barbarentum kommt. Ich tippe auf diese Asterix-Filme. Große Keulen sind derzeit auf den zwei Herdplatten aber eher schwer und so wurden es „Keulchen“. Den Rest habe ich von einem Freund, von dem ich eigentlich die meisten Anregungen bekomme, wenn es um orientalisches, mediterranes oder manchmal auch asiatisches Essen geht. Meistens geht es dabei erstaunlich preiswert zu. Es klingt irgendwie gesund und kann problemlos zu einer fleischlosen Mahlzeit umgewandelt werden … aber fangen wir einmal an zu kochen.

  

Wir benötigen nicht mehr als das, was ihr seht:

  • paar Hähnchenunterschenkel
  • zwei Hände voll Boulgur (CousCous geht natürlich auch)
  • ein Glas Orangensaft
  • eine kleine Zwiebel oder 2 Schalotten
  • Trockenmischobst, so 200 Gramm 
  • ein paar gehackte Cashewkerne
  • Joghurt pur, nach Belieben 1-2 kleine Becher

Gewürze: Curry, Salz, Pfeffer, Koriander (Blätter! keine Samen, also auch kein Pulver 😉)

Die Keulchen kann man ohne Ofen auch in einer Pfanne machen. Sie bekommen dann zwar nicht so eine schöne deutsche Grillhähnchenkruste, aber die findet man im orientalischen Raum auch eher selten.

Mit dem eigentlichen Hauptgericht, dem Boulgur verhält es sich sehr einfach: Trockenobst und Zwiebel kleinhacken und leicht andünsten. Den Boulgur hinzugeben und kurz mitdünsten. Mit den Mengenverhältnissen tu‘ ich mich immer etwas schwer. Wenn es so aussieht, stimmt zumindest das Verhältnis Trockenobst/Getreide:

  

Mit einem großen Glas Orangensaft ablöschen. Für den Rest der benötigten Flüssigkeit gieße ich einfach Wasser hinzu. Boulgur saugt die Flüssigkeit auf und bekommt so seine Gries-Konsistenz. Die Flamme muss also nach kurzem Aufkochen ausgemacht oder auf sehr klein gestellt werden. Lediglich Pfeffern und Salzen. Ihr könnt auch Salz und Zwiebeln weglassen und stattdessen nach dem Orangensaft mit Brühe weiter aufgießen. Ich wollte aber keine gekörnte Brühe im Haus und selbstgemachte ist mir gerade etwas zu aufwendig. Der Boulgur ist fertig wenn die Flüssigkeit verschwunden und das Getreide die gewünschte Bissfestigkeit erreicht hat. Für gewöhnlich tritt dieser Umstand nach ca. 10 Minuten ein. Zum Schluss die Korianderblätter (geht auch gerebelt aus dem Glas) und Cashews hinzugeben und unterrühren. Mit dem Koriander vorsichtig umgehen. Er wird für einige europäische Zungen schnell seifig.

  

Der Jogurt wird nur gesalzen und mit zwei Teelöffel Curry vermengt. Lasst ihn ein Weilchen stehen, damit er gut durchziehen kann. Als Tipp: die Art des Curry macht viel aus. Nehmt also bitte nicht ein kleines Plastikdöschen wo Curry draufsteht sondern versucht einmal einen gut sortierten Gewürzladen. Im Internet bietet z.B. #Herbaria ein großes und sehr gutes Sortiment an. Auch mit verschiedenen Curryzubereitungen. Lohnt sich, weil der Unterschied zu den üblichen Gewürzproduzenten Ostmann, Fuchs und Wagner doch sehr gewaltig ist. Der Preis leider auch 😉.

Voilá! Seid ihr schnell genug, dauert es länger diesen Text zu schreiben als dieses Gericht herzuzaubern.

Für arme Cowboys

So, da ist er wieder. Bei SlowerEat gab es leider in den letzten Wochen ein paar radikale Umbrüche, so dass ich weder groß kochen konnte, noch wollte. Nun ja, die Einzelheiten langweilen sicher den geneigten Leser und so komme ich gleich zum Hauptpunkt dieses Posts: Meine Küche hat sich radikal verkleinert (also wirklich richtig doll miniaturisiert) und stellt eine echte Herausforderung dar. Die nächsten Gerichte/ Rezepte werden daher andere Ziele verfolgen:

  • es muss günstig sein
  • es muss anschließend mehrere Tage im Kühlschrank haltbar sein
  • es muss auf 2 Kochplatten ohne Ofen lösbar sein

Trotzdem verzichte ich nicht darauf, dass es:

  • slowly zugehen muss und
  • möglichst viele frische und gute Zutaten verwendet werden

So mache ich heute zum Championsleague-Super-Finale (Barça VS. Juve, bzw. Ter Stegen VS. ein richtiger Torwart) eine unkomplizierte Cowboy-Pfanne. Was gehört alles rein in so einen Feuer-Topf für einsame Cowboys? Rote Bohnen sind noch im Schrank und kochen gerade vor sich hin. Eine Stunde sollten Sie uneingeweicht sicher auf Herdplatte Uno zubringen. Ansonsten drei mittelgroße Zwiebeln, drei Stangen Staudensellerie, eine große Hand voll gewürfelten Speck, ein bis zwei Büchsen Dosentomaten und ich hatte noch ein paar kleine Würstchen übrig, welche ich gedrittelt am Ende in der Pfanne ziehen lassen werde.


Nach ca. 45 min gieße ich die kleinen roten Bohnen allerdings ab und spüle sie gut durch. Die kleinen Biester färben nämlich ordentlich und ummanteln sich mit einer nicht so feinen Patina. Im zweiten Aufguss schneide ich zum frischen Wasser noch den Sellerie in so ein bis zwei Zentimeter große Abschnitte, gebe ein paar Chiliflocken und drei vier Lorbeerblätter hinzu. Jetzt kann man die Bohnen auch dezent salzen. Denkt beim eventuellen Nachkochen bitte daran, dass die Speckwürfel nachher auch noch einmal gut mitsalzen! Das koche ich noch einmal vielleicht 20 Minuten und bestücke in der Zeit die Waschmaschine …

  
In einer breiten Pfanne auf Platte secondo werden jetzt die grob gehackten Zwiebeln gemeinsam mit etwas Olivenöl und zwei Teelöffel Pimento de la vera glasig geröstet. Erst jetzt den Speck hinzugeben und nur kurz mitschwenken. Die gehackten Tomaten jetzt dazugeben und einkochen lassen.

Die nun hoffentlich weichen Bohnen grob abgießen und nicht mehr spülen, sondern gemeinsam mit dem Sellerie und den Gewürzen zur Pfanne hinzugeben. Unter gelegentlichem Umrühren bei geringster Hitze ziehen lassen und nachwürzen wie euch beliebt. Einige fügen gern Kreuzkümmel oder andere, Winde verringernde Gewürze hinzu.

Nicht zu vergessen: 10 Minuten vor dem Servieren die Würstchenabschnitte in der Pfanne mit ziehen lassen.

  
Voilá und Bon apetite … ich sage mal: 3:1 für Barcelona!

Hähnchen auf Chicorée und Kichererbsen

Da wollte ich mal wieder etwas erfinden! Doch wie schon so oft erlebt: in der Küche ist alles soweit erfunden. Eine kurze Recherche bei der Welt bekanntester Suchmaschine ergab so einige Rezepte in der Kombination Chicorée + Kichererbsen + Hähnchen. Nun gut, betrachten wir meine Version und Idee. Ich habe die im Internet gesichteten Varianten nicht weiter verfolgt und gelesen.

Ein schönes Bio-Hähnchen war diesmal im Korb unseres Lieferanten, weil der Kürzeste mich seit Wochen nach „Keulen“ nervt und ich nach der Kritik am Brustgeschnetzeltem mit Kichererbsen durch einen Leser (Brustgeschnetzeltes „mit Irgendwas“ hat was von Chefkoch …) mal etwas ähnliches aus einem GANZEN Hähnchen machen wollte.

   
 

So benötigen wir heute folgende, feine Zutaten, das meiste davon vom örtlichen Bio-Bauern:

  • ein ganzes Hähnchen, ca. 1,8 kg
  • 2 Möhren
  • 300 gr. Kichererbsen, getrocknet
  • 5-6 Chicorée, mittelgroß
  • 2 rote, 1 gelbe Zwiebel
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1 kleines Stück getrocknete Limette
  • 3-4 Orangen
  • 1-2 TL Kreuzkümmel, ganz
  • 5-6 Wacholderbeeren
  • 3-4 Lorbeerblätter
  • Ahornsirup
  • 300 gr. Bio-Jogurt, pur
  • Chiliflocken
  • 2 TL Curry
  • Pfeffer & Salz

Dann mal los … die Kichererbsen habe ich natürlich gestern Abend schon eingeweicht. Diesmal leider keine vom Markt auf Sri Lanka sondern von Rapunzel aus Iltalien 😄. Heute Vormittag dann abspülen und mit 2 Liter Wasser aufsetzen. Etwa 1 Stunde kochen. Noch einmal in  Salzwasser mit zwei in Scheiben geschnittenen Möhren und  den Lorbeerblättern nebst Wacholderbeeren aufsetzen und weitere 20-30 Minuten garen. Manche Kichererbsen sind etwas widerwillig beim Weichwerden, daher kann man die Zeiten nicht so genau vorhersagen. 

Die Zwiebeln und den Knoblauch in etwas Öl andünsten die abgegossenen Erbsen untermischen.  Lorbeer und was sonst noch so darin war mit hinzugeben. Kreuzkümmel, Salz, Chiliflocken, getrocknete Limetten und etwas Ahornsirup einrühren und mit dem ausgepressten O-Saft ablöschen. 



Zugedeckt bei kleiner Flamme garen, bzw einfach nur ziehen lassen falls alles andere schon weich genug ist.

Jetzt das Feste vom Flüssigen per Sieb trennen und beides kurz beiseite stellen.

Den Chicorée längs halbieren und den Strunk herausschneiden. In wenig Öl von beiden Seiten vorsichtig andünsten.



Nehmt sie aus der Pfanne und legt sie zuerst in die kalt, feuerfeste Form. Gebt nun die Kichererbsen nebst allen festen Inhaltsstoffen hinzu und zieht sie flach. Soll heißen: türmt sie nicht auf. Die Schicht sollte nicht höher als gerade so den Chicorée bedeckend sein. Legt die gesalzenen Hähnchenteile darauf und übergießt alles mit dem Sud. Achtete darauf, dass die Hähnchenteile mit einem Pinsel lückenlos bestrichen werden. 



Die Form kommt in den auf 200 Grad vorgewärmten Ofen bei Ober- und Unterhitze für ca. 40 Minuten. Während dieser Zeit habe ich die Teile zweimal mit dem Eigensud übergossen. 

Für die Soße wird ganz simpel ein Becher Naturjogurt mit Salz, Currypulver, nach belieben etwas Chili und ein paar Bröseln Rohrzucker verrührt und mit auf den Teller gegeben. Ich nehme dafür lieber den naturbelassenen 3,8%-igen. Macht bei drei Esslöffeln pro Teller sicher auch nicht fetter als die Magervariante. 



 Wieder so ein Gericht, dass zwar lange dauert, bei dem man aber nicht ständig daneben stehen muss. Der reine Vorbereitungs- und Arbeitsaufwand hält sich mit vielleicht 10-15 Minuten echt in Grenzen. Damit wäre das Gericht auch ein Preis-Leistungs-Knüller, wenn mal viele Gäste kommen, um die man sich zu kümmern hat. 

Bon apetite!